Schrankbau für Heimwerker: Alle wichtigen Details erklärt
Jetzt habe ich schon eine deutlich größere Werkstatt – und trotzdem reicht der Platz noch immer nicht wirklich aus.
Im neuen Waschraum steht allerdings noch genügend Fläche zur Verfügung, um dort einen Doppelschrank aufzustellen.
Auf diesem Schrank sollen künftig sowohl der Kaffeevollautomat als auch der 3D-Drucker ihren Platz finden. Das WLAN habe ich inzwischen über mehrere Repeater als Mesh-Netzwerk über das gesamte Grundstück erweitert, sodass auch dort eine stabile Verbindung vorhanden ist.
Natürlich wird auch dieser Schrank wieder in Weiß ausgeführt – gefertigt aus 19-mm-melaminbeschichteter Spanplatte mit passenden Kanten.
Auf eine massive Vollrückwand werde ich verzichten, da der Schrank ohnehin direkt an der Wand stehen wird. Dafür reicht eine einfache 5-mm-Rückwand vollkommen aus.
Kante anfahren
Soll an einer beschichteten Spanplatte eine wirklich saubere und stabile Kante entstehen, führt an einer passenden ABS-Kante kaum ein Weg vorbei.
Dabei besitzt praktisch jede Spanplatte ihre eigene, exakt abgestimmte ABS-Kante. Über die genaue Bezeichnung der Platte lassen sich die passenden Kanten beispielsweise sehr einfach bei Kantenshop finden.
Immer wieder bieten sogenannte „Holzwerker“ ABS-Kanten meterweise zu überhöhten Preisen an. Das Problem dabei: Diese Kanten passen farblich meist nicht wirklich zur verwendeten Spanplatte. Gerade bei Weißtönen gibt es enorme Unterschiede – Weiß ist eben nicht gleich Weiß.
Mit einem eigenen Kantenanleimer eröffnet sich im Möbelbau plötzlich ein völlig neuer Bereich. Erstaunlicherweise findet man dazu auf YouTube oder selbst in vielen Kursen sogenannter Tischlermeister vergleichsweise wenig wirklich hilfreiche Informationen.
Warum der Bau solcher Möbel dennoch so interessant ist?
Ganz einfach: Eine komplette beschichtete Spanplatte im Format 2700 × 2050 mm kostet oft weniger als 70 Euro. Damit lassen sich erstaunlich hochwertige und individuell angepasste Möbel bauen – und das zu einem Bruchteil vieler Fertigmöbelpreise.
alle Teile des neuen Doppelschrankes
Dies sind sämtliche Teile für den neuen Doppelschrank.
Warum ich zwei einzelne Schränke statt eines großen, durchgehenden Schranks baue? Ganz einfach: Im fertigen Ergebnis macht das praktisch keinen Unterschied, der Bau eines Doppelschranks ist jedoch deutlich einfacher.
Die einzelnen Bauteile bleiben kleiner, handlicher und lassen sich wesentlich angenehmer bearbeiten und montieren.
Die große Bodenplatte dient dabei als stabile Grundkonstruktion, auf der beide Schränke fest miteinander verbunden werden. Zusätzlich werden die beiden Schrankkörper noch miteinander verschraubt, was die Stabilität und Belastbarkeit erheblich erhöht.
Außerdem wird der komplette Doppelschrank auf vier Laufrollen stehen. Dadurch lässt sich die gesamte Konstruktion jederzeit problemlos verschieben.
Zwei der Rollen besitzen zusätzlich Feststellbremsen, sodass der Schrank später sicher an seinem Platz fixiert werden kann.
Kanten-Abrundgerät
In einer professionellen Kantenanleimmaschine – die schnell einmal 100.000 Euro oder mehr kosten kann – werden sämtliche Ecken automatisiert und extrem präzise abgerundet.
Ein solches Ergebnis lässt sich im Hobbybereich natürlich nur schwer erreichen – wenn überhaupt. Dafür liegen die Kosten meiner Verarbeitung aber auch nur bei einem Bruchteil einer industriellen Lösung.
Heute kostet ein Meter professionell bearbeitete ABS-Kante schnell etwa fünf Euro oder mehr. Meine eigene Lösung liegt dagegen bei ungefähr 30 Cent pro Meter – zuzüglich der eigenen Arbeitszeit natürlich.
Dieses kleine Hilfsgerät hatte ich zufällig im Internet als kommerzielles Produkt entdeckt. Der Preis lag bei knapp 600 Euro.
Kann man so etwas selbst bauen? Ja – genau das habe ich getan.
Zunächst entstand ein Prototyp aus Eiche, Buche, Acrylglas und stabilem HPL-Material. Anschließend habe ich daraus eine Druckdatei für den 3D-Drucker erstellt, die ebenfalls heruntergeladen werden kann.
enttäuschendes Ergebnis
Das Eckenfräsgerät habe ich gebaut um bessere Ergebnisse zu erhalten als die manuelle Arbeit.
Das Gerät selbst funktioniert wie erwartet, doch das Ergebnis ist enttäuschend. Was bin ich froh, ein solches Gerät nicht gekauft zu haben. Das wäre rausgeschmissenes Geld gewesen.
Solche Ecken hatte ich in der Verganenheit auch mit der manuellen Bearbeitung mit der Ziehklinge und dem Handschleifklotz.
Wie auch immer, ich werde das Gerät wohl entsorgen, weil es unnötig Platz verschwendet.
Falzen für die Rückwand
Die Rückwand soll in einem Falz liegen und anschließend verschraubt werden.
Eine Rückwand dient dabei nicht nur dazu, den Schrank nach hinten abzuschließen. Sie trägt auch wesentlich zur Stabilität der gesamten Konstruktion bei und verhindert, dass sich der Schrank später verzieht oder verwindet.
Verwendet wird hierfür eine einfache HDF-Platte mit 5 mm Stärke. Auf eine farbige Ausführung habe ich verzichtet – die Rückwand bleibt also schlicht braun.
Die Falze habe ich mit der Festool OF 1010 und einem entsprechend modifizierten Längsanschlag gefräst.
Besonders empfehlen kann ich dabei einen passenden Absaugadapter. Dadurch lässt sich die Oberfräse deutlich angenehmer handhaben, da der Saugschlauch sauber geführt wird und nicht ständig auf den ovalen Absaugstutzen gezwungen werden muss. Was sich die Konstrukteure dabei ursprünglich gedacht haben, erschließt sich mir bis heute nicht.
Beim Fräsen der durchgehenden Längskanten sollte man außerdem einen kleinen Trick beachten: Die ersten etwa zwei Zentimeter werden zunächst im Gleichlauf rückwärts gefräst. Dadurch lassen sich unschöne Ausrisse an der Kante weitgehend vermeiden. Anschließend kann die restliche Strecke wie gewohnt im Gegenlauf gefräst werden.
eingesetzter Falz
Deckel und Boden werden nicht durchgängig gefalzt.
Hier ist etwas Planung erforderlich, damit die Rückwand später sauber sitzt und die Proportionen stimmen. In meinem Fall sollten an den Rändern rechnerisch jeweils 11 mm Material stehen bleiben, um ein sauberes und harmonisches Erscheinungsbild zu erhalten.
Die Fräsungen für die Lamello-Verbindungen hatte ich bereits zuvor eingebracht. Auf diesen Arbeitsschritt möchte ich hier nicht weiter eingehen.
Nach dem Fräsen des Falzes folgt allerdings noch eine wichtige Nacharbeit: Die inneren Ecken müssen mit dem Stechbeitel ausgestemmt werden. Andernfalls kann die Rückwand aufgrund der runden Fräserradien nicht sauber und vollständig im Falz sitzen.
Das ist zwar eine echte Fleißarbeit und erfordert etwas Geduld, lohnt sich am Ende aber durchaus. Die Rückwand passt dadurch exakt in den Falz und der Schrank wirkt insgesamt deutlich sauberer und hochwertiger verarbeitet.
Bohrungen für die Einlegeböden
Vorweg: Ich besitze das komplette Lochreihensystem LR 32 von Festool. Damals habe ich praktisch alles gekauft, was mir in irgendeiner Form hilfreich erscheinen konnte.
Heute sehe ich das allerdings etwas differenzierter. Nach vielen Jahren der Nutzung bin ich zu dem Schluss gekommen, dass dieses umfangreiche System für viele Anwendungen schlicht zu teuer ist und sich in der Praxis nicht immer besonders komfortabel handhaben lässt.
Wer konsequent nach dem 32-mm-System arbeitet und regelmäßig Serienbohrungen für den Möbelbau benötigt, ist damit sicherlich gut bedient.
Für dieses Projekt brauche ich jedoch kein vollständiges 32er-System. Es geht lediglich darum, mehrere Bohrungen exakt parallel anzubringen, um später Einlegeböden einsetzen zu können.
Das lässt sich mit etwas Sorgfalt, einem Maßband und sauberem Anzeichnen ebenso zuverlässig erreichen. Nicht jede Aufgabe benötigt spezielle Schablonen oder komplexe Systeme.
Vieles von dem, was man in Videos oder von selbsternannten Experten und „Meistern“ im Internet präsentiert bekommt, entspricht meiner Erfahrung nach nicht immer den tatsächlichen Anforderungen in der Werkstatt. Oft führen einfache und bewährte Methoden genauso sicher zum Ziel.
Bohrungen anzeichnen
Einsteckhalter
Diese Einlegebodenhalter gibt es inzwischen für wenig Geld sogar als 1.000er-Pack im Internet zu kaufen. Früher habe ich solche Teile noch einzeln im Fachhandel erworben – zu Preisen, bei denen man heute nur den Kopf schütteln kann. Aber mit der Zeit wird man eben schlauer.
Die Halter sind etwa 22 mm lang und sollten idealerweise ungefähr zur Hälfte ihrer Länge im Holz sitzen. Dadurch entsteht eine stabile und ausreichend belastbare Aufnahme für die Einlegeböden.
Mit einem Durchmesser von 5 mm lassen sich die Bohrungen problemlos mit jedem handelsüblichen 5-mm-Holzbohrer herstellen.
Ein vorheriges Ankörnen der Bohrungen ist dabei durchaus sinnvoll. Dadurch läuft der Bohrer nicht weg und die Lochreihe wird deutlich präziser.
Mit dem zuvor gezeigten Körner gelingt das sehr zuverlässig. Bei vielen günstigen Modellen habe ich dagegen die Erfahrung gemacht, dass sie unpräzise arbeiten, schnell verschleißen oder keinen sauberen Körnerpunkt setzen. Ein gutes Werkzeug macht sich gerade bei solchen wiederkehrenden Arbeiten schnell bezahlt.
Topfbänder
Bohren Topfbänder
Natürlich habe ich es früher genauso gemacht wie die vielen „Meister“ im Internet – nämlich auf die möglichst komplizierte Art.
Heute sehe ich das deutlich pragmatischer. Für die Montage der Topfbänder reichen ein 5-mm-Bohrer für die Euroschrauben und ein 35-mm-Forstnerbohrer für das Topfbandloch vollkommen aus.
Mit etwas Übung lassen sich sämtliche Bohrungen sogar problemlos mit einem einfachen Akkuschrauber herstellen.
Eine Oberfräse oder andere aufwendige Spezialwerkzeuge sind dafür aus meiner Sicht völlig unnötig. Entscheidend sind sauberes Anzeichnen, sorgfältiges Arbeiten und etwas Erfahrung – nicht die Menge oder der Preis des eingesetzten Werkzeugs.
Griffe für die Türen
In der Vergangenheit habe ich bereits unzählige Möbelgriffe montiert. Bisher lief das immer nach dem gleichen Prinzip ab: messen, anzeichnen, bohren – und meistens hat es auch gepasst.
Das Anzeichnen wollte ich mir diesmal jedoch ersparen. Deshalb habe ich bei Temu eine einfache Bohrschablone für knapp 5 Euro bestellt, in der Hoffnung, mir diese Arbeit etwas zu erleichtern.
Bei diesem Projekt kam die Schablone nun erstmals zum Einsatz.
Das Ergebnis hat mich tatsächlich überrascht: Die Handhabung war denkbar einfach, die Bohrungen waren schnell gesetzt und die Griffe saßen sogar präziser als bei meiner bisherigen Methode.
Hier haben sich die investierten 5 Euro für mich definitiv gelohnt.
Allerdings hat die Schablone auch ihre Grenzen. Für breitere Griffe beziehungsweise größere Lochabstände reicht der Einstellbereich nicht aus. In solchen Fällen bleibt weiterhin nur das klassische Messen und Anzeichnen.
Schrank montieren
Die Einlegeböden passen, die Kreuzplatten sind montiert und sämtliche Fräsungen wurden nochmals kontrolliert.
Damit kann nun der eigentliche Zusammenbau beziehungsweise das Verleimen des Korpus beginnen.
Die Lamellos sowie die Kanten der Rahmenteile wurden ausreichend mit Leim versehen und anschließend passgenau zusammengesteckt. Mit den Rahmenzwingen lässt sich der Schrank bereits sehr gut ausrichten und in Form bringen, noch bevor die Rückwand eingesetzt wird.
Nach etwa einer Stunde hat der Leim genügend Festigkeit erreicht, sodass die nächsten Arbeitsschritte erfolgen können. Dennoch lohnt es sich, dem Korpus möglichst lange Zeit zum Aushärten zu geben, um spätere Spannungen oder Verformungen zu vermeiden.
Rückwand montieren
Tatsächlich passte die Rückwand exakt in den Falz. Millimetergenau.
Zum Verschrauben der Rückwand mit dem Rahmen ist ein Vorbohren zwingend. Ansonsten pilzt sich das Material beim Einschrauben auf und es gibt eine unsichere und hässliche Verbindung.
Türen montieren
Topfbänder "pimpen"
Topfband Zubehör
beide Schränke nebeneinander
Bodenplatte
gute Lenkrollen
Noch ein Wort zu den verwendeten Lenkrollen.
Natürlich ist es verlockend, einfach die günstigsten Rollen im Baumarkt zu kaufen. Wer den Schrank jedoch regelmäßig bewegen möchte, sollte auf einige wichtige Merkmale achten:
- kugelgelagerte Ausführung
- mindestens 75 mm Rollendurchmesser beziehungsweise Bauhöhe
- weiche Rollen statt Hartplastikrollen
- stabile und leicht bedienbare Bremse
- die Rolle muss im gebremsten Zustand nicht nur blockieren, sondern auch gegen Verdrehen gesichert sein
Gerade der letzte Punkt wird häufig unterschätzt. Eine Bremse, die lediglich das Rad blockiert, verhindert nicht, dass sich die Rolle verdreht und der Schrank trotzdem leicht bewegt.
Viele günstige Baumarktrollen erfüllen diese Anforderungen nur teilweise oder gar nicht. Deshalb bestelle ich solche Rollen lieber bei spezialisierten Händlern im Internet. Dort erhält man oftmals eine deutlich bessere Qualität zu Preisen, die kaum höher sind als im Baumarkt. Wer einmal mit hochwertigen Lenkrollen gearbeitet hat, merkt den Unterschied sofort – sowohl beim Bewegen als auch beim sicheren Stand des Möbelstücks.
Aufbau der Schränke
Einlegeboden einschieben
Bei der Größe dieser Schränke machen mehrere Einlegeböden pro Schrank aus meiner Sicht wenig Sinn.
Genauso verhält es sich mit der Höhenverstellbarkeit. Natürlich könnte man deutlich mehr Lochreihen bohren, doch welchen praktischen Nutzen hätte das? Meiner Erfahrung nach werden Einlegeböden nach dem Einbau nur selten noch einmal umgesetzt.
Deshalb habe ich mich auf die wirklich notwendigen Bohrungen beschränkt. Das spart Arbeit, sieht aufgeräumter aus und erfüllt den gleichen Zweck.
Jetzt muss ich lediglich noch die unschönen Späne und den restlichen Bohrstaub mit dem Staubsauger entfernen. Dann ist auch dieses Projekt erfolgreich abgeschlossen.
Wie so oft steckt in einem solchen Schrank deutlich mehr Arbeit, als man später auf den ersten Blick erkennt. Dafür erhält man am Ende jedoch ein Möbelstück, das exakt den eigenen Anforderungen entspricht, stabil gebaut ist und viele Jahre seinen Dienst verrichten wird.































