Die Wahrheit über die „unverwüstliche“ Lärche
Beim Lesen von Baumarktprospekten oder beim Durchsehen der Angebote wird häufig auf besonders hochwertiges oder speziell behandeltes Holz hingewiesen, etwa „sibirische Lärche“, „nordische Fichte“ oder „kesseldruckimprägnierte Fichte“. Solche Bezeichnungen vermitteln den Eindruck einer deutlich höheren Haltbarkeit.
Auch ich bin früher davon ausgegangen, dass es sich dabei um relevante Qualitätsmerkmale handelt, und war bereit, dafür einen höheren Preis zu zahlen.
Tatsächlich ist die Haltbarkeit von Lärche gegenüber Fichte zwar etwas erhöht, der Unterschied fällt jedoch in der Praxis meist gering aus.
Holz, das dauerhaft im Erdreich verbaut wird, ist unabhängig von der Holzart einer hohen Feuchtigkeitsbelastung ausgesetzt und unterliegt langfristig biologischen Abbauprozessen.
In vielen Online-Beiträgen von selbsternannten „Fachleuten“ werden immer wieder Holzarten und Holzöle empfohlen, die für einen dauerhaften Einsatz im Außenbereich völlig ungeeignet sind. Das ist wirklich ärgerlich, denn auch ich bin auf solche Aussagen und die vermeintliche „Fachkompetenz“ hereingefallen – und habe dabei nicht nur viel Geld, sondern auch unnötig Zeit verschwendet.
Oft entsteht dabei der Eindruck, dass eher allgemeine Trends oder gut klingende Schlagworte im Vordergrund stehen als wirklich praxistaugliche Lösungen. Für den Hobby-Holzwerker kann das schnell zu falschen Entscheidungen führen.
Holz im Außenbereich
Im Außenbereich ist Holz erheblichen Belastungen ausgesetzt. Als hygroskopischer Werkstoff reagiert es kontinuierlich auf Veränderungen der Umgebungsfeuchte: Es nimmt Wasser auf, gibt es wieder ab und verändert dabei sein Volumen. Dieses wiederholte Quellen und Schwinden erzeugt Spannungen im Gefüge, die mit der Zeit zu Verformungen und Rissen führen können.
Problematisch wird es insbesondere dann, wenn die Holzfeuchte über längere Zeit oberhalb von etwa 20 % liegt. Unter diesen Bedingungen finden holzzerstörende Pilze geeignete Lebensbedingungen und der biologische Abbauprozess beginnt.
Darüber hinaus greift UV-Strahlung das im Holz enthaltene Lignin an. Die Oberfläche baut sich ab, vergraut und verliert an Festigkeit. Dadurch kann Feuchtigkeit leichter eindringen, was die Schädigung zusätzlich beschleunigt.
Die Lebensdauer von Holz im Außenbereich hängt daher weniger von klangvollen Holzbezeichnungen ab als von einer durchdachten Konstruktion, wirksamem Feuchteschutz und einer geeigneten Einbausituation.
Holz im Außenbereich
Jeder Unwissende wird sich bei "imprägnierten Holz" sicher besonders haltbares Holz für den Außenbereich vorstellen. So wie ich, damals.
Damit Holz für den Außenbereich zu verkaufe finde ich unterschwellig schon als Betrug zu sehen. Aber vielleicht auch nur Unwissenheit des Verkäufers.
Nein, es gibt kein haltbares europäisches Holz, welches im Außenbereich unendlich hält. Auch nicht die angepriesene Douglasie, die noch klangvoller als kanadische Douglasie angeboten wird.
Dafür gibt es auch sogenannte Holzklassen.
DIN EN 350 teilt Holzarten in fünf Dauerhaftigkeitsklassen ein:
- Klasse 1: sehr dauerhaft
- Klasse 2: dauerhaft
- Klasse 3: mäßig dauerhaft
- Klasse 4: wenig dauerhaft
- Klasse 5: nicht dauerhaft




