Holzschrauben: Welche brauchst du wirklich?
Über Jahre hinweg habe ich meist nur billige Holzschrauben im Baumarkt gekauft. Nicht, weil ich geizig war – nein, sondern weil ich keine Ahnung von der Vielfalt und den unterschiedlichen Einsatzbereichen der Schrauben hatte. Die Fehler fielen mir meist erst beim Zusammenbau auf. In den meisten Fällen habe ich sie einfach ignoriert.
Mit der Zeit wird man als Holzwerker jedoch zwangsläufig auf den richtigen Weg gebracht und lernt, worauf es bei der Auswahl der richtigen Schrauben ankommt. Leider hat das auch eine Nebenwirkung: Die Schraubenlager werden im Laufe der Jahre immer voller.
für welchen Einsatzbereich?
In meiner Erinnerung ist noch lebhaft, dass wir vor 40 Jahren jede gebrauchte Schraube weiterverwendet haben. Schrauben konnte man damals nicht einfach online kaufen, und die Auswahl war sehr begrenzt. Außerdem handelte es sich fast ausschließlich um Schlitzschrauben.
Heute gibt es aus gutem Grund für jeden Einsatzbereich unterschiedliche Schrauben. Doch das Wichtigste an einer Schraube ist nach wie vor der Schraubenkopf. Schlitzschrauben werden heutzutage meist nur noch dekorativ eingesetzt, während die technisch besten Holzschrauben einen TORX-Antrieb besitzen.
Für Möbelbau sind die Anforderungen an Schrauben etwas spezifischer: sie sollen Holzteile sicher verbinden, sichtbar oder bündig sein, und möglichst einfach zu verarbeiten sein. Hier ist eine Übersicht die uns im Netz angeboten wird:

Und ja, so viel kann man damit nicht anfangen.
Mit dieser Liste kann ich trotzdem keine Schrauben im "Baumarkt" aussuchen, denn es gibt zu viele Unterarten. Nur welche soll ich denn kaufen?
Hier sind die wichtigsten Faustregeln:
- Holzverbindungen: Die Schraube sollte mindestens 2,5- bis 3-mal so lang sein wie das zu befestigende Holzstück.
- Formel zur Eindringtiefe: Die Schraube sollte idealerweise mit dem 4-fachen ihres Durchmessers im tragenden Holz verschwinden.
- Senkkopf vs. Flachkopf:
- Senkkopf: Gesamtlänge inklusive Kopf wird gemessen.
- Zylinder-/Flachkopf: Länge von der Kopfunterseite bis zur Spitze.
Vielleicht machen die Berechnungen der richtigen Schraubenlängen anfangs Schwierigkeiten, doch nach kurzer Zeit sieht man das schon an der Optik ohne Berechnung.
Und wann benutze ich verzinkte Schrauben oder welche aus Edelstahl?
Verzinkte Schrauben (Stahl)
- Vorteile: Höhere Festigkeit (Zugfestigkeit), kostengünstiger, gute Eignung für konstruktive Verbindungen im Innenbereich.
- Nachteile: Rosten, sobald die Zinkschicht beschädigt wird.
- Anwendung: Trockener Innenbereich, Möbelbau, temporäre Befestigungen.
Edelstahlschrauben
- Vorteile: Hohe Korrosionsbeständigkeit (rostfrei), langlebig, ideal für den Außenbereich.
- Nachteile: Weicher (können bei Hartholz eher abreißen), teurer.
- Materialien: A2 für normalen Außenbereich, A4 für Salzwasser/Chlor.
- Anwendung: Terrassenbau, Fassaden, Gartenmöbel.
Wichtige Hinweise
- Vorbohren: Bei Edelstahl, besonders in Hartholz, ist Vorbohren ratsam.
- Gerbsäure: Bei Holzarten wie Eiche oder Lärche korrodieren verzinkte Schrauben schnell; hier ist Edelstahl (A2/A4) ein Muss.
- Kombination: Edelstahl und verzinkte Teile sollten nicht direkt kombiniert werden, um Kontaktkorrosion zu vermeiden.
Wo kaufe ich die richtigen Schrauben und welche Marke ist gut?
Hier kann ich nur aus meiner eigenen Erfahrung berichten. Anfangs habe ich die benötigten Schrauben im Baumarkt gekauft – aus Unkenntnis und nach Beratung durch einen Verkäufer. Leider waren das keine guten Empfehlungen. Ohne konkrete Vorstellungen von der Ware sollte man einem Baumarktverkäufer offenbar nicht blind vertrauen. Die Schrauben waren ungeeignet und im Vergleich zu den wirklich passenden Produkten deutlich zu teuer.
Deshalb kann ich guten Gewissens empfehlen, die benötigten Schrauben zunächst im Fachhandel zu kaufen. Sicher, dort erscheinen sie anfangs teurer. Doch wenn man später Nachschub braucht, kann man im Internet meist genau dieselben Schrauben deutlich günstiger bekommen.
Was die Marken betrifft, habe ich mit SPAX und REISSER sehr gute Erfahrungen gemacht. Wobei SPAX für mich meist die erste Wahl ist. Diese Schrauben sind vom Material her hochwertig, und auch die Konstruktion – Gewinde, Spitze und Kopf – ist sehr durchdacht.
Hände weg von Schrauben, die nach Gewicht verkauft werden! Das wirkt zwar oft wie ein verlockendes Angebot, doch in der Praxis handelt es sich meist um billige Ware von schlechter Qualität.
Kann ich jeden Bit zum Eindrehen von Schrauben benutzen?
Natürlich wird jeder neue Bit in einem Akkuschrauber eine Schraube ins Holz treiben. Die Frage ist nur: wie viele?
Die Auswahl des richtigen Bits ist gar nicht so einfach. Noch schwieriger wird es, in der Werkstatt einen wirklich funktionierenden Bit zu finden. Wer wirft schon „altes“ Werkzeug weg?
Bei mir hat sich das im Laufe der Zeit komplett geändert. Früher hatte ich eine Kiste voller Schraubendreher – bestimmt 20 bis 30 Stück, die ich im Laufe der Jahre gesammelt hatte. Wirklich gut zu gebrauchen war jedoch keiner davon. Also habe ich sie schließlich entsorgt und mir vor vielen Jahren einen Satz Schraubendreher von Wera gekauft. Diese verrichten bis heute zuverlässig ihren Dienst und haben mich noch nie im Stich gelassen – beste Qualität.
Ähnlich ist es auch mit Bits. An den Baumarktkassen liegen oft Bits zu Spotpreisen aus, die schnell von Unwissenden in den Einkaufswagen gelegt werden. Ehrlich gesagt könnte man das Geld auch gleich der Kassiererin oder dem Kassierer als Trinkgeld geben.
Folgende Bit-Marken habe ich selbst im Einsatz (gehabt):
-
DeWalt
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KWB
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Lux
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Makita
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Wiha
-
Wolfcraft
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Festool
Die besten Bits sind für mich eindeutig die von Wiha. Sie kosten vielleicht etwas mehr, aber das Arbeiten mit ihnen macht einfach deutlich mehr Spaß.
Sollte man gleich einen ganzen Satz Bits kaufen?
Eindeutig nein. Kauft man einen 6er-Satz, wird man meist zwei oder drei Bits daraus niemals brauchen – also rausgeworfenes Geld. Besser ist es, die Bits gezielt nach Bedarf zu kaufen.


