CAD-Software für den Möbelbau
Sicher, gelegentlich fertige ich noch grobe Skizzen auf Papier an – so, wie ich es früher gewohnt war. Doch Skizzen lassen sich weder maßstabsgerecht darstellen noch unkompliziert verändern oder reproduzieren.
Ohne eine geeignete Software ist die planerische Arbeit eines Holzwerkers daher deutlich eingeschränkt.
Doch welche CAD-Software ist die richtige? Eine pauschale Antwort darauf gibt es nicht.
Die Vielzahl an Angeboten im Internet wirkt auf den ersten Blick attraktiv, doch welche Kriterien sind für die Auswahl tatsächlich entscheidend? Gerade Einsteiger ohne CAD-Erfahrung sind hier schnell überfordert.
Deshalb sollte sich jeder Holzwerker, der neu in das Thema einsteigt, zunächst die Frage stellen:
Warum brauche ich CAD-Software im Möbelbau?
Im modernen Möbelbau ist CAD-Software weit mehr als ein digitales Zeichenbrett. Sie ermöglicht eine präzise Planung, reduziert Fehlerquellen und verbessert die Abläufe von der Idee bis zur Fertigung.
1. Maßgenaue Konstruktion
Mit CAD lassen sich Möbel millimetergenau und maßstabsgerecht konstruieren. Proportionen, Materialstärken und Verbindungen werden exakt definiert – lange bevor das erste Werkstück zugeschnitten wird.
2. Änderungen ohne Mehraufwand
Anpassungen sind im Möbelbau Alltag. Mit CAD können Maße, Materialien oder Konstruktionen schnell geändert werden, ohne die gesamte Planung neu beginnen zu müssen.
3. Kollisions- und Passgenauigkeitsprüfung
Digitale Modelle zeigen frühzeitig, ob Bauteile kollidieren oder Verbindungen nicht funktionieren. Fehler werden bereits in der Planungsphase erkannt – nicht erst in der Werkstatt.
4. Material- und Zuschnittoptimierung
Viele Programme ermöglichen Stücklisten, Materialberechnungen und teilweise sogar Zuschnittoptimierungen. Das spart Material, Zeit und Kosten.
5. Vorbereitung für CNC-Fertigung
Wer mit CNC-Maschinen arbeitet, benötigt präzise digitale Daten. CAD-Software bildet die Grundlage für CAM-Prozesse und einen effizienten Workflow.
Ja, der Einstieg in CAD kann anfangs überwältigend wirken – aber das kennt jeder Holzwerker, der etwas Neues ausprobiert. Niemand wird mit der Oberfräse in der Hand geboren, jede Fertigkeit braucht Zeit und Übung.
CAD ist genau dasselbe: Eine kurze Einarbeitung von ein paar Tagen reicht, um die Grundfunktionen zu verstehen und erste eigene Projekte umzusetzen. Klar, am Anfang muss man ausprobieren, vergleichen und testen – so wie ich es bei meinen Oberfräsen getan habe. Nur durch Ausprobieren findet man die Werkzeuge, die am besten zu einem passen.
Der Vorteil: Hat man die passende Software gefunden, eröffnet sich eine völlig neue Welt. Planen wird einfacher, Änderungen gehen schnell, und die Ergebnisse werden präziser. Mit etwas Geduld lohnt sich die Investition in Zeit und Softwarehardware also doppelt – und macht richtig Spaß!
CAD-Software für den Möbelbau
🔹 1. Fusion 360
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Typ: Profi-CAD / CAM
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Stärken: 3D-Modellierung, parametrisches Konstruieren, Rendering, CNC-Export
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Ideal für: Maßgefertigte Möbel, Konstruktionen mit Verbindungsdetails, CNC-Fertigung
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Vorteile: Cloud-basiert, viele Erweiterungen und Plugins
🔹 2. SketchUp
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Typ: Einsteiger- / Architektur-CAD
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Stärken: Intuitive Bedienung, schnelle 3D-Skizzen, große Bibliothek an Möbelkomponenten
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Ideal für: Entwurf & Visualisierung, erste Konzeptphasen, Kundenpräsentationen
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Vorteile: Leicht zu lernen, große Community
🔹 3. SolidWorks
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Typ: Professionelles 3D-CAD
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Stärken: Parametrisches Modellieren, präzise Bauteilverknüpfung
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Ideal für: Komplexe Konstruktionsdetails, Serienfertigung
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Vorteile: Industriestandard, leistungsfähige Werkzeuge
🔹 4. FreeCAD
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Typ: Open Source / Kostenlos
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Stärken: Parametrisch, anpassbar über Python, gute Community-Bibliotheken
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Ideal für: Kostenbewusste Möbelbauer, technikaffine Anwender
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Vorteile: Offen, flexibel erweiterbar
🔹 5. Solid Edge
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Typ: Profi-CAD
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Stärken: Synchronous Technology (schnelles editieren von Modellen)
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Ideal für: Mechanisch anspruchsvolle Möbelverbindungen
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Vorteile: Leistungsstark, gute Zeichnungs- und Simulationswerkzeuge
🔹 6. AutoCAD
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Typ: Klassischer CAD-Editor
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Stärken: Präzise 2D-Konstruktion, Grundrisse, Produktionszeichnungen
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Ideal für: technische Pläne, 2D-Detailzeichnungen
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Vorteile: Hohe Verbreitung, viele Erweiterungen
Hardwareanforderungen
Ohne passende Hardware macht CAD-Arbeit nur halb so viel Spaß. Zwar geben Hersteller an, dass die Programme auch auf „normalen“ Rechnern laufen – in der Praxis brauchen sie aber ordentlich Rechenleistung.
Ein gut ausgestatteter Desktop-PC oder ein leistungsfähiges Notebook lohnt sich deshalb auf jeden Fall. Besonders eine starke Grafikkarte macht das Arbeiten mit komplexen 3D-Modellen deutlich flüssiger und angenehmer.
Die meisten CAD-Programme laufen unter Windows, einige auch unter Linux. Wichtig ist vor allem: Mit stabiler und leistungsfähiger Hardware kannst du dich voll aufs Planen, Konstruieren und Experimentieren konzentrieren – und bekommst richtig Freude an deinen Projekten.
Preise CAD-Software für den Möbelbau
🔹 1. Fusion 360
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monatlich, jährlich oder 3-Jahres-Vertrag
- monatlicher Vertrag: Kosten 90 €, Jahresvertrag 45€ / Monat und 3-Jahresvertrag 2.131€
🔹 2. SketchUp
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die monatlichen Kosten liegen bei der "GO"-Version bei 10,25€ und bei der "Studio"-Version bei 64,83€
- ODER EINMALIG 49€ für eine "alte" Version, die alle Vorteile bietet, wie freie Module und Cloud-Unabhängigkeit
🔹 3. SolidWorks
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Jahreslizenz zwischen 3.480€ und 5.496€
🔹 4. FreeCAD
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Open Source / Kostenlos
🔹 5. Solid Edge
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monatlich zwischen 308€ und 546€
🔹 6. AutoCAD
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monatlich zwischen 183€ und 316€
Dies sind nur einige Anbieter von CAD-Software für den Möbelbau. Alle kann ich hier nicht auflisten.
Sketchup und FreeCAD
Nein, selbst als Softwareentwickler kann ich die Preise vieler CAD-Anbieter kaum nachvollziehen – zumal oft noch weitere Kosten für Schulungen oder die Einrichtung der Software hinzukommen. Für private Holzwerker sind die meisten Lösungen einfach zu teuer.
Doch zwei Programme stechen heraus: SketchUp und FreeCAD. SketchUp war früher kostenlos und weit verbreitet, bis auch hier der kommerzielle Ansatz Einzug hielt. Ich gehe davon aus, dass FreeCAD irgendwann einen ähnlichen Weg gehen könnte.
Trotzdem lässt sich SketchUp in der alten Version nach wie vor im Netz finden – zum Beispiel für etwa 49 € über Seiten wie 7sevensoftwares.com. Die Software lässt sich lokal installieren und sofort verwenden, ohne dass man an Abos oder Online-Zugänge gebunden ist.
Schulungen für FreeCAD und Sketchup
Für SketchUp und FreeCAD gibt es unzählige Videos, Tutorials und Communities, die die Funktionen Schritt für Schritt erklären. Für fast jedes Problem findet man schnell eine Lösung.
Besonders empfehlenswert ist der Grundkurs für FreeCAD bei der Kurswerkstatt-Saar unter Heiko Rech – ich selbst habe daran teilgenommen. Allerdings habe ich für meine Möbelbau-Projekte festgestellt, dass SketchUp völlig ausreicht und alle Anforderungen erfüllt, die ich im Hobbybereich habe.




