Gartenbar mit Bierzapfanlage bauen
Dieses Projekt stammt aus dem Jahr 2017 und ist damit schon etwas älter. An Attraktivität hat eine Gartenbar jedoch nichts verloren. Im Gegenteil: Einige Freunde sitzen heute lieber mit einem frisch gezapften Bier im eigenen Garten, als in einer Kneipe viel Geld für ein Glas auszugeben.
Die Zapfanlage begleitet mich übrigens schon seit 1992. Mal stand sie im Garten, über viele Jahre hinweg auch im Jagdrevier in der Unterkunft.
Es macht einfach Spaß, sich sein Bier selbst frisch aus dem Fass zu zapfen – und genau deshalb ist diese Gartenbar überhaupt erst entstanden.
Konstruktion mit Sketchup
„Papier“-Konstruktionen dienen heute im Grunde nur noch als konzeptionelle Skizzen. Früher war das anders. Als technischer Maschinenbauzeichner habe ich noch vollständig am Zeichenbrett gearbeitet. Digitale Alternativen existierten schlicht nicht. Aus heutiger Perspektive war das eine rein manuelle, aber sehr präzise Arbeitsweise – allerdings mit hohem Zeitaufwand bei Änderungen oder Varianten.
Mein erstes CAD-System war 1988 AutoCAD. Für die damalige Zeit war das revolutionär: parametrisches Zeichnen, exakte Bemaßung und verlustfreie Reproduzierbarkeit. Konstruktionsänderungen konnten erstmals effizient durchgeführt werden, ohne komplette Zeichnungen neu erstellen zu müssen. Das hat den gesamten technischen Zeichenprozess grundlegend verändert.
Heute existieren zahlreiche CAD-Programme, die plattformübergreifend arbeiten und sowohl 2D- als auch 3D-Konstruktion unterstützen. Für Holzwerker stellt sich weniger die Frage nach maximalem Funktionsumfang, sondern nach Bedienbarkeit, Lernkurve und Praxisnutzen.
SketchUp war anfangs ein bewusst reduziertes 3D-Konstruktionsprogramm mit Fokus auf intuitive Bedienung. Die Stärke lag nie in hochkomplexen parametrischen Funktionen, sondern in der schnellen visuellen Modellierung. Inzwischen ist die Software technisch stark gewachsen und kann mit spezialisierten Tischler-CAD-Lösungen konkurrieren. Der Funktionsumfang ist erheblich erweitert worden, was allerdings auch mit höheren Lizenzkosten einhergeht.
Meine installierte Version läuft noch lokal unter Windows, vollständig autark ohne Cloud-Anbindung. Aktuelle Versionen setzen dagegen auf Online-Lizenzverwaltung und Cloud-Integration, was technisch Vorteile bei Synchronisation und Updateverwaltung bietet, aber auch eine dauerhafte Internetabhängigkeit mit sich bringt.
Material und Werkzeuge
Damals lagen die Holzpreise noch in einem wirklich angemessenen Bereich. Heute ist Material leider deutlich teurer geworden, was Projekte dieser Größenordnung spürbar beeinflusst.
Für die Gartenbar habe ich überwiegend Meranti verwendet. Die 27 mm starken Balkonbretter wurden teilweise zu Leimholz weiterverarbeitet, um stabilere Bauteile herstellen zu können. Meranti lässt sich gut bearbeiten, bleibt formstabil und eignet sich sehr gut für den Außenbereich.
Als „Tischsäge“ stand mir zu diesem Zeitpunkt nur das Festool CMS mit Erweiterungen zur Verfügung. Für präzise Serienarbeit war das System eigentlich zu leicht gebaut, aber mit etwas Geduld ließ sich trotzdem zuverlässig damit arbeiten.
Die Wandflächen der Gartenbar bestehen aus eichefurnierter Spanplatte, der Boden aus stabilem Multiplex. Diese Kombination verbindet ausreichende Stabilität mit vertretbarem Materialeinsatz.
innere Statik
Das gesamte Gewicht der Konstruktion wird von der Bodenplatte aus Multiplex getragen. Die furnierten Spanplatten sind zwar außen über Lamellos mit der Bodenplatte verbunden, übernehmen jedoch keine tragende Funktion. Die eigentlichen Kräfte werden über den Innenrahmen sauber in die Bodenplatte abgeleitet.
Dieser Innenrahmen dient gleichzeitig als stabile Auflage für die Arbeitsplatte mit Zapfhahn und Spüle. So entsteht eine geschlossene, belastbare Einheit.
Für den Rahmen hätte auch einfaches KVH ausgereicht. In diesem Projekt spielte der Preisunterschied jedoch keine entscheidende Rolle, sodass ich mich für die "schönere" Variante entschieden habe.
Versorgung der Gartenbar
Ein einfacher Rahmen allein reicht nicht aus, um eine funktionale und komfortable Gartenbar zu realisieren.
Die Anforderungen an die Konstruktion waren:
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Elektrische Versorgung für Licht, Zapfanlage und externe Geräte über Steckdosen
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Wasserzufluss und Wasserabfluss für das Spülbecken
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Indirekte Beleuchtung sowohl innen als auch außen
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Komplett fahrbar auf stabilen Laufrollen
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Platz für eine Bierzapfanlage sowie eine 5‑Liter-Kohlensäureflasche mit Druckminderer
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Aufstellung eines 30‑Liter-Bierfasses mit KEG-Anschluss
Die Platzaufteilung stellte eine besondere Herausforderung dar, da das Spülbecken mit seiner großen Tiefe erheblichen Raum beansprucht. Gleichzeitig sollte noch genügend Platz für eine „Glasspülmaschine“ innerhalb des Beckens vorhanden sein.
Fußstange aus Edelstahlrohr
Auch wenn niemand seine Füße auf diese Stangen stellen wird, muss an eine Gartenbar zumindest die Möglichkeit zu sehen sein.
Die Edelstahlrohre werden von Merantilagern in Position gehalten.
Dimmer für die LED-Beleuchtung
Das LED-Licht sollte nicht nur geschaltet werden können sondern auch in der Helligkeit angepasst werden. So habe ich einen speziellen Dimmer dafür eingebaut, der auch wasserdicht ist.
Diese Gartenbar hat viele Partys erleben können und es sind über die Jahre 1000e Liter Bier durch diese Zapfanlage gelaufen.Â



















