die Mär der unverwüstlichen Lärche

veröffentlicht am 15. Juli 2024

die Mär der unverwüstlichen Lärche

die Mär der unverwüstlichen Lärche

Beim Lesen von Baumarktprospekten oder beim Durchsehen der Angebote wird häufig auf besonders hochwertiges oder speziell behandeltes Holz hingewiesen, etwa „sibirische Lärche“, „nordische Fichte“ oder „kesseldruckimprägnierte Fichte“. Solche Bezeichnungen vermitteln den Eindruck einer deutlich höheren Haltbarkeit.

Auch ich bin früher davon ausgegangen, dass es sich dabei um relevante Qualitätsmerkmale handelt, und war bereit, dafür einen höheren Preis zu zahlen.

Tatsächlich ist die Haltbarkeit von Lärche gegenüber Fichte zwar etwas erhöht, der Unterschied fällt jedoch in der Praxis meist gering aus. Holz, das dauerhaft im Erdreich verbaut wird, ist unabhängig von der Holzart einer hohen Feuchtigkeitsbelastung ausgesetzt und unterliegt langfristig biologischen Abbauprozessen.

In meinem Fall wurden 125-mm-Lärchenbalken als Zaunpfosten verwendet und etwa einen Meter tief einbetoniert. Jetzt müssen neue Pfosten her.

Holzarten Lärche

Holz im Außenbereich

Im Außenbereich ist Holz erheblichen Belastungen ausgesetzt. Als hygroskopischer Werkstoff reagiert es kontinuierlich auf Veränderungen der Umgebungsfeuchte: Es nimmt Wasser auf, gibt es wieder ab und verändert dabei sein Volumen. Dieses wiederholte Quellen und Schwinden erzeugt Spannungen im Gefüge, die mit der Zeit zu Verformungen und Rissen führen können.

Problematisch wird es insbesondere dann, wenn die Holzfeuchte über längere Zeit oberhalb von etwa 20 % liegt. Unter diesen Bedingungen finden holzzerstörende Pilze geeignete Lebensbedingungen und der biologische Abbauprozess beginnt.

Darüber hinaus greift UV-Strahlung das im Holz enthaltene Lignin an. Die Oberfläche baut sich ab, vergraut und verliert an Festigkeit. Dadurch kann Feuchtigkeit leichter eindringen, was die Schädigung zusätzlich beschleunigt.

Die Lebensdauer von Holz im Außenbereich hängt daher weniger von klangvollen Holzbezeichnungen ab als von einer durchdachten Konstruktion, wirksamem Feuchteschutz und einer geeigneten Einbausituation.

imprägniertes Holz

Holz im Außenbereich

Jeder Unwissende wird sich bei "imprägnierten Holz" sicher besonders haltbares Holz für den Außenbereich vorstellen. So wie ich, damals.
Damit Holz für den Außenbereich zu verkaufe finde ich unterschwellig schon als Betrug zu sehen. Aber vielleicht auch nur Unwissenheit des Verkäufers.
Nein, es gibt kein haltbares europäisches Holz, welches im Außenbereich unendlich hält.

Dafür gibt es auch sogenannte Holzklassen.

DIN EN 350 teilt Holzarten in fünf Dauerhaftigkeitsklassen ein:

  • Klasse 1: sehr dauerhaft
  • Klasse 2: dauerhaft
  • Klasse 3: mäßig dauerhaft
  • Klasse 4: wenig dauerhaft
  • Klasse 5: nicht dauerhaft

Die Einstufung gibt ausschließlich Auskunft über den natürlichen Widerstand des Kernholzes gegenüber holzzerstörenden Pilzen. Sie sagt nichts über die Widerstandsfähigkeit gegen UV-Strahlung, mechanische Belastungen oder fehlerhafte Konstruktionen aus.

Kesseldruckimprägnierung (KDI) kann den Befall verzögern, ersetzt jedoch nicht die grundsätzliche Dauerhaftigkeit des Holzes. Jede Bearbeitung wie Schneiden, Bohren oder andere mechanische Beschädigungen erzeugt Bereiche ohne Schutz, die erneut anfällig für Pilze werden.

Welches Holz für welchen Einsatzbereich?

Die Wahl der Holzart hängt entscheidend vom Einsatzbereich, der Belastung und den Umwelteinflüssen ab. Es gilt: Nicht jede Holzart eignet sich gleichermaßen für Erdeinbau, sichtbare Konstruktionen oder dekorative Anwendungen.

1. Holz für Erd- und Pfostenkontakt

  • Geeignete Arten: Lärche, Douglasie, Eiche (massiv), druckimprägnierte Nadelhölzer

  • Eigenschaften: hohe natürliche Dauerhaftigkeit oder chemischer Schutz durch Kesseldruckimprägnierung (KDI)

  • Typische Anwendungen: Zaunpfosten, Pfähle, Balken im Erdreich

  • Hinweis: Auch langlebige Hölzer faulen langfristig, wenn sie dauerhaft Feuchtigkeit ausgesetzt sind. Ein Betonfundament oder Abstand zur Erde kann die Lebensdauer deutlich verlängern.

2. Sichtbare Konstruktionen im Außenbereich

  • Geeignete Arten: Lärche, Douglasie, Eiche, Robinie, Bangkirai

  • Eigenschaften: hohe Witterungsbeständigkeit, attraktive Optik, mäßige Schrumpf- und Quellbewegungen

  • Typische Anwendungen: Terrassen, Balkone, Carports, Pergolen

  • Pflege: Regelmäßiges Ölen oder Lasieren schützt vor Vergrauung und Rissbildung durch UV-Strahlung.

3. Dekorative Elemente & Gartenmöbel

  • Geeignete Arten: Robinie, Teak, Accoya, Lärche

  • Eigenschaften: hohe Dauerhaftigkeit, geringe Pflegeanforderungen, ansprechende Maserung

  • Hinweis: Auch hier ist konstruktiver Schutz wichtig – Feuchtigkeit von unten vermeiden, Wasserstau verhindern.

4. Holz im Wasserkontakt

  • Geeignete Arten: Teak, Bangkirai, Accoya, Lärche (nur bedingt)

  • Eigenschaften: hohe Resistenz gegen Fäulnis und Pilze, geringes Quellen und Schwinden

  • Typische Anwendungen: Stege, Bootsbau, Brücken, Gartenwasseranlagen

  • Hinweis: Druckimprägnierte Hölzer können helfen, halten aber den ständigen Wasserkontakt nur begrenzt aus.

Fazit

Die Lebensdauer von Holz hängt weniger von klangvollen Namen ab, sondern von Feuchteschutz, konstruktiver Umsetzung und Pflege. Für alle Einsatzbereiche gilt: Wasserstau vermeiden, UV-Schutz berücksichtigen und mechanische Beschädigungen minimieren.

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