Jagderlebnisse – Anekdoten – 2

Die ein oder andere Anekdote schreibe ich hier mal nieder.
Manche sind lustig, einige interessant und andere machen nachdenklich.

Die mir sofort einfallen sind

  • Telefon-Halsband
  • Wildschwein-Sieb
  • Kaputter Schuh

Telefon-Halsband

Kurz nach Grenzöffnung übernahm ein Jagdkollege ein fast 1.000 ha Revier im Osten. Das war wirklich ein Wildpark!! Es durfte ja nie vorher richtig bejagt werden. Sauen waren tagaktiv, Rotwild fast vertraut, Widder liefen wenige Meter an mir vorbei und Rehwild ohne Ende.
Ich war gerne dort als Gast. Immer hatte ich Anblick und immer hatte ich freie Büchse.
So trafen wir uns nach dem Ansitz in der einzigen Kneipe im Dorf. Ein Jäger hatte seinen Hund dabei, einen Weimaraner. Liebes Tier, doch noch in der Ausbildung. So trug dieser Weimaraner ein Teletaktgerät, welches einem Dorfbewohner in der Kneipe auffiel. Der Bewohner saß an der Theke und hatte schon einiges getrunken.
„Was hat der Hund denn da am Hals?“, fragte er und prompt antwortete der Besitzer:“Das ist ein Hundetelefon. Damit er mich auch in größerer Entfernung verstehen kann“. Niemand der anwesenden Jäger hat eine Miene verzogen und warteten auf das Folgende. Auch der Wirt zapfte das Bier in Ruhe weiter. Der Gast fragte weiter:“Wie soll das denn funktionieren?“ Der Jäger:“Wenn der Hunnd weiter weg ist, spreche ich in dieses Gerät und der Hund hört mich so, wie wenn ich neben ihm stehen würde“ Der Gast:“Das glaube ich nicht! Zeige mir das mal“ Der Jäger antwortete:“ Das geht auf einer solch kurzen Entfernung nicht. Da muss der Hund schon etwas weiter weg sein“ Dabei zeigte der Jäger dem Gast das Steuerteil für das Teletaktgerät. Natürlich ausgeschaltet. „Wenn Du mir nicht glaubst, können wir das ja mal ausprobieren“, bot der Jäger an und nahm dem Weimaraner das Halsband ab. Der Gast verblüfft:“Von mir aus, aber sprich bitte nicht so laut“.
Die anderen leute im Raum konnten es nicht glauben und unterdrückten sämtliches Lachen. Der Jäger schloss das Teletakgerät im Nacken des Gastes. Das Band passt soeben. „Jetzt müssen wir aber vor die Tür und Du musst ein Stück laufen, damit der Abstand stimmt“. Gast und Jäger verliessen die Kneipe. Fast alle Mann hinterher. Der Jäger schickte den Gast in die Dunkelheit. Der Jäger:“Hörst Du mich noch?“ „Ja“… „Dann musst Du noch weiter gehen“, sagte er. Schwach hörten wir noch vom Gast:“Jetzt ruf mich mal an!“ Jetzt war der Augenblick da, wo der Elefant das Wasser lässt. Macht er es oder nicht? Und er machte es. Der Jäger drückte den Knopf und sofort hörten wir in der Ferne den langen Schrei des Gastes. Die Kollegen bekamen auch einen Riesenschreck. Muss weh getan haben, denn der Impuls wurde vom Jäger nicht zurück gestellt. Der Hund hat noch ein isolierendes Fell, der Gast nicht. Wir hörten nur noch, wie der Gast angerannt kam und rief: „Ich bring dich um!“ Wir lagen auf dem Boden vor Lachen! Wenn die Gruppe den Gast nicht zurück gehalten hätten, wäre es doch zu einer bösen Schlägerei gekommen.
Nachdem sich der Gast beruhigt hatte und wir wieder sitzen konnten nach dem wirklich schmerzhaften Lachen, luden wir den Gast an den „Jägertisch“ ein und bewirteten ihn großzügig. Heute lacht der Gast selbst über sein Vorgehen und sitzt auch weiter am Jägertisch.

Teletaktgeräte sind in der Hundeerziehung inzwischen verboten. Mit recht!!

Wildschwein-Sieb

Ich nenne ihn mal „Hans“. Hans war schon älter und hatte seinen Jagdschein schon seit seinem 16 Lebensjahr. Er hielt sich gern in einem Jägerkreis auf und war auch sehr unterhaltsam. Auch deshalb durfte er auch immer mit in die Jagd eines Pächters mit seinen 2 stillen Beteiligungen als Gruppe. Hans ging so gut wie nie mit auf den nsitz. „Ich habe schon soviel geschossen, Ich muss das nicht mehr“, waren seine Argumente. Angeblich hatte er schon 150 Sauen geschossen. Dabei zeigte er immer auf seinen alten Drilling.
Die Eignergruppe und der ortsansässige Jagdaufseher haben ihr Vorhaben gut vorbereitet. Hans sollte auf Sauen ansitzen in einer bestimmten Kanzel.
Was hat die Gruppe vorbereitet? Die Kirrung ging vom Hochsitz aus zu der Maistonne spitz zu. Breite der Schneise ca. 10 Meter, abgegrenzt durch dichten Bestand auf beiden Seiten. Über diese Schneise hinweg wurde ein Bohlenpfad gelegt, auf dem die Platte eines inn DDR-Zeiten präparierten Keilers (komplett) über ein Seil gezogen werden konnte. Kugelfang war ausreichend vorhanden und der Weg zum Ende des Seils war komplett gefegt.
Als alles vorbereitet war, hat man Hans aufgefordert mit auf den Ansitz zu gehen, da es Wildschäden gibt und jede Büchse gebraucht wird. Es hat eine Weile gedauert und er war einverstanden. So startete wir im Jagdwagen und setzten Hans als erstes ab. Es war schon dunkel. Für den Sauenansitz bereitet man sich vor, bspw. mit Kaffe, Decken usw. Das Einrichten in der Kanzel dauert etwas und verursacht auch Geräusche. Deshalb warteten wir auch noch.
Es war still als der Jagdaufseher am Seil zog. Das Geräusch der Platte auf der Bohle war zu hören, aber nicht zu identifizieren. Da konnte man schon Bewegung in der Kanzel hören. Jede Sau wäre jetzt schon wieder weg. Hans hatte bereits seine Kanone aus dem Fenster. Ganz langsam“ ging“ das Präparat weiter an die Kirrung. Jeder weiss, wenn die Leitbache freie Bahn gibt, ist es recht laut und das angekettete Maisfass würde seinen Lärm dazutun. Jeder Jäger wäre jetzt misstrauisch. Nicht so Hans. Das Präparat stand nun breit und da fiel der erste Schuss. Nichts passierte. Das Präparat hatte einen Durchschuss und blieb stehen. Wenig später das Flintenlaufgeschoss hinterher. Das Präparat wackelte, fiel aber nicht um. Lärm in der Kanzel…offenbar nachladen. Anlagen…weitere 2 Schüsse. Jetzt hatte er daneben geschossen 🙂 Wieder Nachladen, wieder 2 Schüsse! Dann hörten wir nur noch: „Scheiße! Keine Munition mehr!“
Nach einer kurzen Weile machten wir uns laut bemerkbar und gingen mit eingeschlteten Taschlampen zum Hochsitz. Hans blickte wirklich nicht mehr durch und baumte ab. „Habt ihr das gesehen? Ich musste 6 mal schiessen!“. Erst nach unserem Lachanfall bemerkte Hans den Reinfall. Damit auch die Aufdeckung seiner Angeberei mit den 150 geschossenen Sauen. Er sprach keine Wort auf der Rückfahrt. Gleich am nächsten Morgen ist er Hals über Kopf abgereist.

Na ja, nach 3 Wochen war alles wieder beim Alten. Na ja, Hans hat nie wieder etwas von Sauen erzählt…

Kaputter Schuh

Na ja, etwas mehr war es schon…
Wieder in der Jagd hatten wir gemeinsam abends am Tisch gesessen und einiges getrunken. Einer der Gruppe hatte sich aber allein an einen anderen Tisch gesetzt und sah sehr betrübt aus. Er hatte erst kürzlich seinen über alles geliebte Hund verloren und dann noch seine Mutter beerdigen müssen. Nennen wir ihn „Hermann“. Hermann war an die 60 und schon ewig Jäger. Allein schiessen konnte er nicht; dafür zitterte er vom Abschuss zuviel. Auch musste man ihm sagen wo das Wild steht. Was er aber immer am Mann hatte war seine 38er Spezial. Ernsthaft, er hat auch damit geschlafen.
Irgendwann stand er auf und ging an uns vorbei in Richtung Toilette. „Das Leben ist schon Scheiße…“, sagte er noch und ging durch den großen Saal zum Toilettenraum.
Kurze Zeit später fiel ein Schuss! Wir sahen uns an und dachten wohl alle das gleiche: Hermann hat sich das Leben genommen. Keiner wollter der Erste im Toilettenraum sein und so gingen wir geschlossen dort hin. Der Wirt hinten dran. Im Toilettenraum angekommen hörten wir ein lautes Stöhnen und wir sahen auch eine Blutlache aus der Toilette nach außen fließen. „Hermann, lebst Du noch?“, fragte einer und Hermann antwortete wörtlich: „Verpisst euch, ich will alleine sein!“
Natürlich machten wir von außen die Tür zur Schüssel auf und da saß er nun. Heruntergelassene Hosen und die 38er in der Hand. Sein rechter Schuh war auf der rechten Seite zerschossen und Blut trat aus. Einer nahm ihm die Waffe weg und fragte was denn passiert sei. „Ich habe nur kurz den Schlaghebel gezogen und dann ist es geschehen“. Er hat einfach mit der Kanone auf dem Klo gespielt.
Er kann von Glück sagen, dass ein Arzt in der Gruppe war. Es dauerte schon eine Weile den Schuh zu entfernen. Hermann lag nun in der Kneipa auf unserem Tisch, umzingelt von den Jägern, die dabei zuschauten wie der Arzt den Schuh auszog. Muss wohl sehr weh getan haben. Allerdings hatte Hermann ausgesprochenes Glück, dass er nur den Aussenriss seines Fußes getroffen hatte, Ins Krankenhaus konnte er damit nicht. Doch unser Arzt hat ihn gut versorgt und Hermann konnte am nächsten Tag sogar damit laufen.
Hart fand ich nur, dass der Wirt gleich nach Öffnung der Tür fragte: „Und wer bezahlt mir jetzt die Fliesen?“. Im übrigen hatte die Tür auch einen Schaden wegen des Abprallers des Bleigeschosses.