Festool Kantenanleimer KA 65 CONTURO
Ich habe den Festool KA 65 CONTURO schon seit elf Jahren im Einsatz und habe damit inzwischen Hunderte Meter Kante problemlos auf Holz aufgeleimt.
Sicher wird sich der eine oder andere fragen: „Braucht man so etwas in einer Hobby-Werkstatt?“ Nun, eigentlich nicht – zumindest dann nicht, wenn man ausschließlich mit Vollholz oder Leimholz arbeitet und den Bereich der beschichteten Spanplatten nicht mag oder nicht benötigt.
Damit würde man allerdings einen riesigen Bereich des modernen Möbelbaus völlig außen vor lassen.
Beschichtete Spanplatten – egal ob mit Echtholzfurnier, Dekor oder mit strukturierter Oberfläche – sehen gut aus, sind praktisch, stabil und im Vergleich zu Voll- oder Leimholz erstaunlich preiswert. Der große Nachteil bei der Verarbeitung dieser Materialien ist allerdings die „fehlende Kante“.
Es gibt jedoch viele Tischlereien, die über professionelle Kantenanleimmaschinen verfügen und das Anleimen der Kanten auch im Lohnverfahren anbieten. In der Regel wird dabei nach laufenden Metern abgerechnet.
Das Verfahren dieser großen Maschinen unterscheidet sich allerdings deutlich von dem einer handgeführten Kantenanleimmaschine.
unterschiedliche Arbeitsweisen der Maschinen
Eine stationäre Kantenanleimmaschine liefert in der Regel eine sehr hohe Qualität, die mit einem handgeführten Kantenanleimer nur schwer zu erreichen ist.
Bei diesen Maschinen wird vor dem Aufleimen der Kante zunächst etwa 2 mm Material von der Plattenkante abgefräst. Anschließend wird die 2 mm starke Kante aufgeleimt. Das ist ein entscheidender Vorteil, insbesondere bei der Konstruktion von Möbeln und beim Zuschnitt der einzelnen Plattenteile.
Bei der großen Maschine gebe ich einfach das exakte Endmaß des Werkstücks inklusive Kante an. Bei der kleineren, handgeführten Maschine müssen die Plattenteile hingegen jeweils etwa 2 mm kleiner zugeschnitten werden, damit nach dem Anleimen der Kante das gewünschte Endmaß erreicht wird. Dabei besteht beim Sägen auch ein gewisses Risiko für kleine Ausrisse an der Kante.
Dieses Risiko lässt sich mit einer guten Plattensäge und passenden Sägeblättern natürlich stark reduzieren – allerdings bedeutet das auch einen gewissen zusätzlichen Aufwand.
Bei einer handgeführten Maschine wie der Festool KA 65 CONTURO werden die ersten Kanten vermutlich noch nicht perfekt sein. Man braucht einfach etwas Übung im Umgang mit der Maschine und bei den notwendigen Nacharbeiten.
Arbeitsablauf bei der CONTURO
Eine Kante sauber aufzuleimen ist gar nicht so einfach.
Die Festool KA 65 CONTURO benötigt etwa acht bis neun Minuten, bis sie einsatzbereit ist. Den Startvorgang kann man gut auf dem Display verfolgen. Nach dem Einschalten sind zunächst Standardeinstellungen vorgegeben, die gegebenenfalls angepasst werden müssen.
Die voreingestellte Geschwindigkeit steht auf „schnell“. Davon rate ich jedoch ab. In der langsamen Stufe lässt sich der Anfang der Kante deutlich besser platzieren. Bei größeren Werkstücken kann man die Geschwindigkeit während des Aufleimens per Knopfdruck erhöhen und anschließend wieder reduzieren.
Je nach Farbe des verwendeten Klebers muss auch die Temperatur eingestellt werden. Die entsprechenden Angaben finden sich auf den Packungen der jeweiligen Klebertabletten.
Da die Kante grundsätzlich etwas länger zugeschnitten wird als das Werkstück selbst, müssen Anfang und Ende anschließend bündig entfernt werden. Dafür eignet sich ein Kantenschneider sehr gut. Danach wird die Kante gefräst und sauber nachbearbeitet.
Sehr hilfreiche Hinweise zu diesem Thema bietet das Buch „Die perfekte Kante“ von Festool, das auch als PDF erhältlich ist. Ich hatte noch das Glück, eine Hardcover-Ausgabe zu bekommen.
Eckenfräsgerät Eigenkonstruktion
Problem ist das Abrunden der aufeinander treffenden Ecken.
Das habe ich in der Vergangenheit immer mit der Ziehklinge lösen können, doch so richtig sauber war diese Lösung nicht.
Deshalb habe ich dieses Eckenfräsgerät gebaut, mit dem ich nun präzise jede Ecke rund bekomme.
Kleber für den KA 65 CONTURO
Der Originalkleber von Festool ist für mich ein echter Ärgerpunkt.
Für 48 Patronen verlangt Festool rund 170 Euro – das sind etwa 3,54 Euro pro Stück. Der Jowatherm EVA-Schmelzkleber kostet dagegen nur etwa 1,67 Euro pro Patrone. Damit ist er bei vergleichbarer Qualität mehr als halb so teuer. Und das sogar als ungefüllter Kleber – die gefüllte Variante ist noch günstiger.
Der einzige Nachteil besteht darin, dass die Patrone etwas gekürzt werden muss, damit sie in die Festool KA 65 CONTURO passt. Das lässt sich jedoch ganz einfach mit einem Oszillationswerkzeug erledigen.
Der Preisunterschied macht sich besonders beim Farbwechsel im CONTURO bemerkbar. Dafür werden mindestens drei Klebertabletten benötigt, nur um die Maschine umzurüsten. Beim Wechsel von dunklem zu hellem Kleber sogar noch mehr.
In der Praxis wird allerdings zu etwa 90 % der weiße Kleber verwendet. Lasst euch deshalb nicht von der Farbe „neutral“ irritieren: Dabei handelt es sich um einen hellbraunen Kleber, der sich für weiße Kanten nicht eignet.
Haltbarkeit der Kanten
Wenn die Temperatur des Klebers richtig eingestellt ist und auch die Klebermenge stimmt, hält die Kante bereits nach wenigen Sekunden fest.
Allerdings ist diese Verbindung in keiner Weise wasserfest. Feuchtigkeit kann durch die Klebefuge eindringen, wodurch die Spanplatte aufquillt – und dann ist das Werkstück meist nicht mehr zu retten. Zwar gibt es auch wasserfeste Kleber, doch diese sind nicht nur deutlich teurer, sondern ihre Reinigung belastet die Maschine erheblich. Deshalb werde ich sie nicht einsetzen.
Bei der Wahl der richtigen Kante ist die genaue Bezeichnung der Spanplatte oder die Holzart des Vollholzes wichtig. Zu jeder beschichteten Spanplatte gibt es in der Regel eine passende ABS-Kante. Diese kann man zum Beispiel bei KANTENSHOP.COM auswählen und bestellen.
Es gibt auch Angebote anderer Anbieter, die Kanten in kleineren Meterzahlen verkaufen. Diese sind allerdings meist teurer.
Für eine einzelne Arbeitsplatte brauche ich schließlich keine 100-Meter-Rolle. Oft lohnt es sich deshalb, bei einer Tischlerei in der Nähe nachzufragen – viele Betriebe schneiden passende Kanten auch in kleineren Mengen zu.
Bearbeitung der Kanten
Beim Fräsen der überstehenden Kante entstehen die schlimmsten Späne: Sie laden sich statisch auf, haften überall und lassen sich nur schwer aufsaugen.
Dieses Problem habe ich mittlerweile im Griff. Ich setze die Festool MKF 700 inzwischen ausschließlich beim Verleimen von Kanten ein. Anfangs wusste ich nicht, wie sich der „Dreck“ reduzieren lässt, denn ich vertraute nur auf den Staubsauger – das war ein Irrtum.
Um die Spanbelastung möglichst gering zu halten, sollte man die Kantenfräse etwa 10 Grad gegen die Fräsrichtung halten und nur wenig Vorschub geben. Der leichte Versatz von rund 10 Grad verbessert das Strömungsverhalten am Fräskopf und sorgt für eine effektivere Absaugung. Einfach einmal ausprobieren – man wird überrascht sein!
Die Kante selbst ist in der Regel 23 mm breit. Bei 19 mm dicken Platten ergibt sich also ein kleiner Überstand oben und ein etwas größerer unten. Deshalb sollte man darauf achten, die „schöne Seite“ der Platte beim Verleimen immer nach oben zu legen – diese Kante wird später deutlich besser aussehen.
Erst nach dem Fräsen der Kante entferne ich die Rückstände von Kleber und Überstand mit einer Ziehklinge. Dabei ziehe ich den Rand immer in Richtung der Platte ab – niemals von ihr weg. So werden eventuelle „Lücken“ vom Kleber ausgeglichen und verdeckt.
Durch den geringen Vorschub entstehen keine Brandflecken auf der Kante. Allerdings können leichte Wellen auftreten. Diese lassen sich mit der Festool Ziehklinge problemlos glattziehen. Die Ziehklinge ist so konstruiert, dass ihre Radien die Kante absolut eben machen.
Anschließend wird die Kante mit einem Schleifklotz und einem 220er-Schleifpapier angeglichen.
Die Kante kann danach auch noch mit einem Schwamm poliert werden. Aus meiner Erfahrung bringt das jedoch kaum die erhoffte „Verschönerung“
Welche Reihenfolge des Verleimens der Kanten?
Die Kanten werden bei mir nicht auf Gehrung verleimt. Dadurch bleibt immer ein kleiner „Überstand“ sichtbar.
Meiner Meinung nach sollte der Stoß nicht sofort auffallen, weshalb ich zuerst die sichtbare Kante verleime. So wird der kleine Überstand der anderen Kante kaschiert.
Natürlich lassen sich nicht alle Kanten einer Platte gleichzeitig verleimen. Gegenüberliegende Kanten lassen sich noch bearbeiten, solange der Auflagetisch des Festool KA 65 CONTURO nicht anstößt. Über Eck ist dies jedoch nicht möglich, da der Tisch an der anderen Kante anschlägt. Deshalb sollten diese Kanten vorher bereits gereinigt und bearbeitet sein.
In einem Video wird empfohlen, die Kanten erst aushärten zu lassen und etwas zu warten. Das ist jedoch nicht nötig: Die Kanten lassen sich direkt nach dem Verleimen weiterverarbeiten, da der Kleber sehr schnell aushärtet.
Die Ecken lassen sich mit der Ziehklinge und dem passenden Radius sehr gut abrunden. Ein zusätzliches Fräsen ist in den meisten Fällen nicht erforderlich.
Vorteile - Nachteile
Der größte Vorteil der CONTURO
Die Maschine macht einen unabhängig von Tischlereien mit stationären Maschinen – und spart damit auch erheblich Zeit.
Vorteile im Überblick:
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Fertige Kanten lassen sich auch mit einfachen Mitteln verarbeiten.
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Sehr preiswerter Möbelbau mit beschichteten oder furnierten Spanplatten.
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Rundungen und Kreisflächen lassen sich problemlos kanten.
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Freie Wahl der Kante und Verwendung von Alternativklebern.
Nachteile:
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Bei der Konstruktion von Möbeln muss die Stärke der Kante mit eingerechnet werden.
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Gewöhnung an die Maschine ist erforderlich – einige Probestücke sind ein Muss.
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Der Preis: Über 5.000 Euro inklusive Kantenfräse.
Für gelegentlichen Einsatz ist die Maschine nicht rentabel. Bei meinen Arbeiten hat sich der Kauf jedoch schon längst amortisiert.
Radienziehklinge FESTOOL vs. Ostermann
Die Festool Ziehklinge fiel mir einmal auf den Boden und zerbrach. Daraufhin wandte ich mich an Festool und beschwerte mich – so etwas sollte nicht einfach passieren.
Festool schickte mir aus Kulanz eine neue Klinge. Soweit so gut.
Doch auch diese neue Klinge zerbrach beim Fall. Eine Ersatzklinge von Festool soll nun über 85 Euro kosten! Ich empfinde diesen Preis fast schon als Frechheit. Wie naiv hält uns die Industrie eigentlich? Soll der Kunde einfach zahlen, ohne nach Alternativen zu suchen?
Glücklicherweise habe ich eine gleichwertige Klinge im Netz gefunden – bei Ostermann.eu. Dort kann man sie direkt kaufen.
Die Radienziehklinge kostete inklusive Versand nur 16 Euro – also mehr als viermal günstiger als die Originalklinge von Festool.
Kosten
Der Hauptgrund, warum wohl nicht jeder an den Kauf dieser Maschine denkt, sind die Kosten.
Und ja, günstig ist der Festool KA 65 CONTURO wirklich nicht. Mit einem Setpreis von 4.526,17 Euro brutto überlegt man sich sehr genau, ob sich die Anschaffung lohnt. Hinzu kommt noch eine gute Kantenfräse – in meinem Fall die Festool MKF 700 für knapp 900 Euro im Set.
Nicht zu vergessen sind die Verbrauchsmaterialien. Eine gute ABS-Kante kostet zwischen 0,50 und 1,50 Euro pro Meter – die günstigere Variante also bis zu zwei Drittel preiswerter. Der Unterschied liegt oft nur darin, die besten Angebote im Netz zu finden. Auch ich habe den KANTENSHOP.COM erst spät entdeckt und musste vorher sehr viel „Lehrgeld“ bezahlen.
Gleiches gilt für den Kleber. Anfangs habe ich mich nie getraut, andere Produkte als die Original-Festool-Kleber einzusetzen. Zwar müssen Klebertabletten wie der Jowatherm EVA-Schmelzkleber noch aufgeteilt werden (maximal in drei Teile), doch die Ersparnis ist bei Dauereinsatz der Maschine erheblich.
Deshalb verwende ich heute Verbrauchsmaterialien anderer, preiswerter Hersteller – ohne Risiko und nicht nur für Festool-Geräte.
Von den genannten Herstellern erhalte ich keinerlei Vergünstigungen. Vielleicht entdecke ich morgen noch günstigere Anbieter – deren Adressen werde ich dann selbstverständlich weitergeben.











