Fahrschule

Fahrlehrer werden!?

Den meisten stellt sich diese Frage gar nicht mehr. Obwohl ein sehr großer Bedarf an qualifizierten Fahrlehrern besteht. So wie in den 80ern.
Ich machte meine Ausbildung in Düsseldorf im Jahre 1979 für die damaligen Klasse 1 und 3, Dauer insgesamt 7 Monate Ganztagsunterricht.
Warum habe ich das gemacht? Nun, Autofahren macht mir Spaß und ich wollte mit Menschen umgehen. Die Ernüchterung kam erst später. Die Durchfallquote in TÜV in Köln lag bei über 40%. Praktische Prüfung! bei den anderen Prüfungen, wie Theorie, Lehrprobe, mündliche Prüfung und Quiz sahe es etwas besser aus. Immer jeweils für eine Klasse!!!

Führerschein-neu

angestellter Fahrlehrer

Erst nach 2 Jahren darf ein Fahrlehrer selbständig eine Fahrschule führen.
Meine erste Stelle fand ich in Oberhausen in einer für damalige Verhältnisse sehr großen Fahrschule. Meine ersten Fahrübungen mit den Fahrschülern waren überschaubar in der Strecke. Erstmal das Gebiet kennen lernen. So wurden die Kreise immer größer, denn am Anfang gab es mehr Einparken als fahren. Meine Fahrschüler habe ich selbst zur Prüfung vorgestellt. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Heute wie früher lassen Fahrschulinhaber von angestellten Fahrlehrern „vorschulen“, übernehmen die schon fast fertig ausgebildeten Fahrschüler um dann das Lob des Fahrschülers nach bestandener Prüfung zu ernsten. So hält er auch den Fahrlehrer „dumm“, dammit dieser nicht sein Konkurrent werden kann.

1981 bin ich dann nach Berlin als Fahrlehrer. Sofort hatte ich eine komplette Wohnung und viel Geld. Die Wohnung war für mich kostenlos, denn damals gab es noch 8%-Berlinzulage vom Buttogehalt netto. Bei damals durchschnittlich DM 5.500,00 im Monat passte das. Gut, war nicht geschenkt, manchmal mehr, manchmal weniger. 220-240 Fahrstunden á 40 Minuten plus Unterricht und Prüfungen kamen da schon zusammen. Einiges „fiel“ auch unter den Tisch. Geht heute nicht mehr.
Berlin war vor Grenzöffnung sehr schön. Man konnte sein Auto offen stehen lassen ohne dass es gestohlen wurde. Weit wäre der Dieb nicht ohne Fahrzeugschein gekommen.

1984 war ich der erste Fahrlehrer in Deutschland, der eine Klasse 1-Prüfung mit vorausfahrendem Motorrad durchführte. Damals gab es nur CB-Funk, der bei einer Fahrprüfung nicht eingesetzt werden durfte. Na ja, der Prüfling war wirklich gut. Und so fing es an, bis zur Vorschrift heute! In Klasse 1 war ich wirkich gut. Selbst die größten Dösbaddel hatte ich zum Führerschein verholfen. Selbst jemanden, der nicht mal Fahrradfahren konnte! Er musste aber einen Führerschein für das Ausland haben, da er über das DED (Deutscher Entwicklungsdienst in Kladow) ins Ausland abgesandt wurde. Es geht alles…

Die Entsozialisierung eines Fahrlehrers geschieht schleichend. Anfangs macht es noch Spaß mit jungen Leuten zu arbeiten. Die Arbeitszeiten sind gewöhnungsbedürftif. Ich bin meist um 7 Uhr morgens angefangen, dann 2 Stunden Mittag und anschliessend weiter. In der Neuköllner Fahrschule waren 2 Inhaber und 4 angestellte Fahrlehrer, also sehr gut laufender Betrieb. 4 der Fahrlehrer wollten nie Theorieunterricht geben und so habe ich auch deren Abende übernommen. Ich unterrichte gern, am liebsten vor einer großen Menge. Ja, Entsozialisierung! Keine Bekannten, Freunde, Einladungen, Restaurantbesuche meist allein. Denn dann, wenn der Fahrlehrer arbeiten muss, stehen andere am Grill und trinken Bier. Das geht als Fahrlehrer nicht mehr.
Heute sieht der Arbeitsalltag eines Fahrlehrers anders aus.
Als Fahrschulinhaber macht es finanziell keinen Sinn mehr zu arbeiten. Warum nicht? Nun, die gesetzlichen Auflagen sind erdrückend.

  • Mindeststundenzahl Pflichtfahrstunden (Sonderfahrten)
  • Nachweis theoretischer Unterricht (Themen)
  • Nachweis der praktische Ausbildungsstunden
  • Softwarezwang über Rechnungsstellung am Prüfungstag

Das sind nur die groben Pflichten. Hier ist keine Stunde mehr schwarz in die Tasche wirtschaftbar. Auch eine Überschreitung der täglichen Ausbildungszeiten ist nicht mehr möglich. Aber Sonntags darf noch ausgebildet werden. So hat wohl der heutige selbständige Fahrlehrer eine 7-Tage-Woche. Ich hatte insgesamt 3 Fahrschulen.

Hier mal eine kleine REAL-Kalkulation eines vollbeschäftigten Fahrschulinhabers, der allein schult.

Mit Euro 35,00 pro Fahrübung liege ich schon sehr hoch. Deshalb habe ich diesen Betrag als kumulierten Wert über alle Arten der Fahrübungen gesetzt. Das Schlimme am Preis ist, das man diesen nicht selbst kalkulieren kann. Der Preis richtet sich nicht nach Leistung und Angebot, nein, er richtet sich immer nach der Konkurrenz.
Jeder Schornsteinfeger, jeder Rechtsanwalt und jeder Steuerberater und Arzt haben eine Gebührenordnung. Warum haben die Fahrlehrer keine??

Also, wer unbedingt Fahrlehrer werden will soll es tun.

Ich kann nur davon abraten.