Oberfräse vom Discounter?

Oberfraese-1010

Nein, die abgebildete Oberfräse ist nicht vom Discounter. Diese ist von Festool.

Eine Oberfräse beim Discounter für Euro 39,99 ist schon Schnäppchen, oder? Dann noch mit diesen Leistungsdaten:

  • Anschlussleistung: 1200 Watt
  • Leerlaufdrehzahl: 11000–30000 min-¹
  • Frästiefe: 55 mm
  • Netzkabellänge: 4 m

Auch die Ausstattung hört sich gut an:

  • zusätzlich noch:
    • 6-teiliger Fräsersatz
    • 1 Parallelanschlag
    • 1 Kopierhülse
    • 1 Zirkelspitze
    • 2 Spannzangen (6 und 8 mm)
    • 1 Maulschlüssel
    • 1 Sechskantschlüssel
    • 1 Adapter zur externen Staubabsaugung inklusive Reduzierstück

Wer würde zu diesem Preis nicht zuschlagen?

Wer kauft eine solche Oberfräse? Wahrscheinlich der Anfänger im Bereich Holzwerken. Doch damit tut er sich, meiner Meinung nach, keinen Gefallen. Wenn eh schon die Erfahrung in der Handhabung einer Oberfräse fehlt, sollte man sich nicht mit einem solchen Billigwerkzeug ausrüsten.
Wer hat nicht schon beim Warten an den Kassen im Baumarkt noch schnell den klaren Schraubendreher mit Stromtestfunktion noch schnell in den Einkaufswagen gepackt? „Ist ja nur ein Euro“. Nach Eindrehen von 2 Schrauben ist die Spitze schon verbogen und der Schraubendreher kann getrost entsorgt werden.

Auch ich bin auf ein Angebot dieses Discounters reingefallen. Dort kaufte ich meine erste Handkreissäge für Euro 39,99. Gut, ist schon eine Weile her. Beim ersten Schnitt durch Bangkirai blieb diese fast stehen. Dadurch war ich so wütend, dass ich die Säge durch den Garten geworfen habe. MÜLL!

Meine Intention ist, den hochmotivierten Anfänger im Holzwerker-Bereich zu interessieren, welche gewaltigen Qualitätsunterschiede im Bereich Oberfräsen zu finden sind.
Es muss nicht die von Festool sein. Diese sind, zugegebenermaßen, nicht die Billigsten. Aber es gibt genügend Markenwerkzeuge im unteren und mittleren Preisbereich, die wirklich brauchbar sind. Fortgeschrittene würden diese Oberfräse im Discounter nicht kaufen

Nur das Beispiel der Drehzahl:
Fräser haben eine höchstzulässige Drehzahl. Wegen der Lagerbelastung und auch wegen der Umfangsgeschwindigkeit der Fräser. Diese liegt bei max. 24.000 min-¹. Bei dieser angebotenen Oberfräse liegt die Leerlaufdrehzahl im höchsten „Gang“ bei 30.000 min-¹. Und dann noch mit den Billigfräsern! Das wird sicher nicht die Arbeitsgeschwindigkeit sein, doch der Fräser wird zunächst auf diese Drehzahl gebracht.

Welche Qualität will man für den Nettopreis von Euro 32,39 verlangen? Und daran wollen noch mindestens 2 Händler verdienen, abzüglich Verpackung, Fracht und Personalkosten? Was bleibt für die Qualität an den Bauteilen übrig?

Also, liebe angehende Holzwerker. Hiermit möchte ich nur meine eigenen Erfahrungen an euch weitergeben. Lieber ein paar Mark mehr ausgeben und wirklichen Spaß am Arbeitsergebnis haben.

Der Text spiegelt nur meine persönliche Meinung wider.

8 Idee über “Oberfräse vom Discounter?

  1. Weimer Jürgen sagt:

    Hallo Friedrich.

    Ich möchte nicht über den Geldbeutel anderer entscheiden.
    Selbst ich, der sich als Fortgeschrittener bezeichnet, kauft auch mal billig.
    Bei diversen Arbeiten opfere ich dieses billige Werkzeug.
    Ich komme somit schnell voran.
    Es kostet mich mehr an Zeit ein gutes Werkzeug in Stand zu halten, als ein günstiges zu Schrotten.
    Als Beispiel habe ich Stemmeisen vom Discounter für nen 5´er. Die gehen in Gips und Stein…
    Meine guten (teueren) Werkzeuge werde ich an solchen Punkten nicht einsetzen.

    Jeder fängt einmal an. Jeder macht seine Erfahrungen und Orientiert sich in eine Richtung.
    Auch ich habe lange Jahre mit Festool Werkzeugen gearbeitet und lobe sie hoch.

    Mit anderen Maschinen und dem nötigen know how geht es auch.

    Aber Achtung mit der übertriebenen Billigkeit.
    Wie im oben benannten Beispiel eine Fräse mit zu hoher Drehzahl und einem minderwertigem Fräser
    zu betreiben ist Lebensgefährlich!

    Diese Geräte können zu dem Preis nix wirklich. Sie deuten es nur an.
    Als Benutzer denkt man, dass es doch funktionieren muss und wird agressiver.
    Daraus entsteht meiner Meinung nach AUA!

    Ist es das Wert?
    Nicht nur das man billig doppelt zahlt. Es muß einem nicht gleich alles versauen!

    Und auch, wie du sagst, macht es dem Anfänger nicht viel Freude.

    Gruß Jürgen

    • Holzwerker sagt:

      Hallo Jürgen

      mit meinem Beitrag will ich ja nicht alles „Billige“ verteufeln.
      Nur meine eigenen Erfahrungen weiter geben. Viele frustierende Momente hätte ich mir sparen können mit besserem Werkzeug. Nur, wenn man nicht weiß welches Werkzeug gerade gut ist, sollte man nicht gleich das Billigste nehmen. Gutes Gebrauchtes geht auch.
      Nur zufällig bin ich damals zu Festool gelandet. Das Werkzeug ist gut bis sehr gut. Aber auch sehr teuer. Da gibt es viele günstigere Alternativen. Heute nutze ich diese!

      Grüße
      Friedrich

  2. Kathreen von "Mach mal" sagt:

    Vielleicht sind diese günstigen Produkte für komplette Anfänger geeignet, die sich mal ausprobieren wollen. Aber wie du sagtest, mehr Geld ausgeben lohnt sich, wenn man auch lange was von seinem Werkzeug haben möchte! 🙂 Liebe Grüße, Kathreen von „Mach mal“

    • Holzwerker sagt:

      Hallo Kathreen
      das sehe ich skeptisch.
      Die Revolvereinstellung ist aus Kunststoff, wie auch die Ein- Feststellung. Das wird nicht lange halten und die Fräse wird ungenau.
      Aber das ist nicht das, was ich rüberbringen wollte.
      Vielmehr ist es möglich, durch schlechtes Werkzeug die Lust „am Weitermachen“ zu verlieren. Zumal, kurz oder lang, eh eine andere Fräse gebraucht wird.
      Gruß
      Friedel

  3. Martin sagt:

    Ich habe mit so einer Fräse angefangen – und bin inzwischen bei der kleinen Makita. Bereut habe ich es nicht – manches muss man auch mal ausprobieren – und es muss nicht direkt Festool sein…

    • Holzwerker sagt:

      Hallo Martin
      und was ist mit Deiner Discounter-Fräse? Wäre es nicht besser gewesen gleich eine kleine Makita zu kaufen? Das meine ich.
      Gutes Werkzeug gleicht handwerkliche Schwächen schon etwas aus. Das ist meine Erfahrung.
      Die Motivation mit dem Holzwerken weiter zu machen hängt auch stark von den Ergebnissen ab.
      Grüsse
      Friedel

      • Martin sagt:

        Damals hätte ich keine 200€ für ein Gerät ausgegeben, wo ich nicht wußte, wie und wofür ich es brauchte. Da hat meine Discount-Fräse „King“ geholfen. (hat im Übrigen ganz gut gearbeitet bis irgendwann die Fräserverriegelung abbrach und man dann mangels Angriffsfläche die Spannzange nicht mehr festschrauben konnte. Es gab etliche Teile als Ersatzteil, aber das Teil nicht…)
        Inzwischen bin ich mehr im Thema und habe mir als Flachdübelfräse kein Billigteil geholt sondern auch ne Makita.

        • Holzwerker sagt:

          Hallo Martin
          Nach dem Fehlkauf der Handkreissäge im Discounter habe ich nochmal ins Klo gegriffen mit dem Kauf einer Flachdübelfräse im Baumarkt. Knapp Euro 60,00. War echt enttäuscht. Habe ich meinem Nachbarn geschenkt. Als Alternative hatte ich mir dann die DOMINO von Festool gekauft. War lange der Hit bei mir, bis ich die Lamello kaufte. Mit beiden Fräsen hat man alle kleinen Verbindungsprobleme gelöst. Keine ist besser als die Andere, doch beide ergänzen sich prima. Der große Vorspung von Festool in Qualität und Zuverlässigkeit schwindet schon im Vergleich zu anderen namhaften Hersteller.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: